Am Ziel

amzielpost

von  Thomas Bernhard

Bühne und Kostüme: Christine Tritthart
Musik: Andreas Schilling
Licht: Dietrich Körner
Dramaturgie: Ulrike Jenssen

mit Marina Matthias, Renate Regel und Udo Thies

 

gruppezwei

in Koproduktion mit dem Forum Freies Theater Düsseldorf und Ballsaal Bonn

 


 

In monologischen Verfluchungsorgien wird das “Scheitern” beschwore, das eigene und das der anderen. Die Beziehung zwischen den Menschen ähneln Schlachtfeldern, auf denen existenzielle Scheintote in Hasstirden manisch weiterplappern, von nichts und niemandem zu unterbrechen…..Regisseur André Turnheim lässt denn auch im ersten Teil seiner Inszenierung von “Am Ziel” die Protagonistin schelten und schmähen, was Bernhards kunstvolle Übertreibungen so hergeben. Ein Feuerwerk der Sprache, das gleichwohl anfangs zu viel Sauerstoff verbraucht.
 

Marina Matthias als Mutter kann hier ihr Talent voll entfalten, das besonders in einer eigenwilligen Artikulation monologischer Wortkaskaden aufblitzt. Da Bernhards “Am Ziel” hauptsächlich aus solchen besteht, blitzt und donnert es ausgiebig auf den Brettern des Arkadas-Theaters. Matthias’ unglaubliche Text-Eloquenz verdient Respekt…..Renate Regels puppenhaftes, fast stummes Spiel in der Rolle der Tochter ist beeindruckend…..

 …..nach der Pause zeigt die Inszenierung, dass Bernhard nicht nur ein Meister des absurd komischen Zeterns einer verbitterten Hauptfigur ist, sondern auch ein Autor der Zwischentöne. Das ist das Glück dieser Premiere. Großartig die Szenen, in denen Mutter und Tochter den “dramatischen Schriftsteller” (Udo Thies) mimisch bezirzen und trotzdem verachten. Langsam, aber dann doch halbwegs überzeugend kommt die dreistündige Aufführung ans Ziel: ein Theaterspiel, das mehr Facetten bietet als einen sich selbst erschöpfenden und deshalb ermüdenden Beschimpfungsakt

Kölner Stadt-Anzeiger 26./27.10.2002

 

Die etablierte Bernhardoptik zu unterwandern, heißt für Turnheim: gegen Psychologie und Bühnenillusion inszenieren, Jung mit Alt und umgekehrt besetzen. Der Regisseur will das Stück »armselig und trashig«. Die Handlung – eine alternde, manische Mutter lädt gemeinsam mit ihrer hörigen Tochter einen erfolgreichen Jungdramatiker in ihr Haus am Meer; es wird nichts als endlos geredet – verlegt Turnheim von großbürgerlichen Zimmern in ein Wohnwagenambiente. Dort soll der Bernhardsche Text, »nicht zerstört«, aber von allen altmodischen Fesseln befreit, endlich seine wahre Sprengkraft zeigen. Oh là là!

Stadtrevue Alexander Haas 27. März 2002